Das gerodete Land

Als recht häufig erweist sich nach den vorliegenden Belegen das Grundwort ahd. mhd. rod 'gerodetes Land'. Übliche Form in Hessen ist -rode, gelegentlich hyperkorrektes -rad (DNK Bd.2, §615.1, §615.1.a.; REICHARDT 1973, S.23).

BACH erläutert zur Bedeutung des Namengrundwortes:
Das Wort tritt in seinen verscheidenen Varianten nicht nur in seiner ursprünglichen Dedeutung 'Rodung, Neubruch' auf, sondern wird später geradezu als Gattungsname im Sinne von 'Nebensiedlung, Dorf' gebraucht. (DNK Bd.2, §615.1.b)

In den insgesamt 102 Namen dieses Typs treten folgende Varianten im Grundwort auf: das Zweitglied -rode wechselt mit einem genitivischen Namen (+Elnrod) und mit einem Namen auf - dorf (Ritzelshof). In einem Fall ist das Grundwort nicht ganz sicher (Unter-Rieden). Ein Name erscheint in der erweiterten Form -ingerode (Richerode) (vgl. LöFFLER 1987; DNK Bd.2, §617).

Personennamen herrschen vor

Der Namentyp ist fast gänzlich mit Personennamen im Bestimmungsglied gebildet{1} (83 von 102 Namen), immerhin elf Namen sind Simplicia. Als appellativische Bestimmungsglieder treten *askin 'aus Esche', abbat 'Abt', frouwa 'Frau, Herrin', lang, niuwi 'neu', slahtari 'Schlachter' und stein auf.

Unter den personalen Bestimmungsgliedern (maskulin) sind 46 stark flektiert, 35 schwach. Rodoman und Ruprecht sind je zweimal verwendet worden. Drei personale Glieder sind Frauennamen: *Wesilhilda, Hruodburga und Rihsuint.

Schwerpunkt im Osten

Die -rode-Namen haben ein klar umrissenes und statistisch signifikantes Verbreitungsgebiet{2} im Osten Hessens nördlich des Mains. Massiert treten diese Rodungsorte im Unteren Werratal, Fulda-Werra Bergland, Knüll, und Fulda-Haune Tafelland auf. Auch Oberhessische Schwelle und Lange Rhön sind kräftig belegt. Die Simplicia sind südlich und westlich des Hauptverbreitungsgebiets isoliert gelagert, während die appellativischen Namen im Gemenge mit den personalen auftreten. Die Abwesenheit der jungen -rode-Namen unterstreicht das hohe Alter der Siedlungslandschaft Wetterau.

Ebenso eindeutig spiegelt sich die Gemeinsamkeit der - rode-Namen in der Analyse ihrer Erstbelegdaten. Danach sind die -rode - wie nicht anders zu erwarten - eine Erscheinung des ausgehenden 12. Jahrhunderts. In dieser Zeit tauchen die entsprechenden Erstnennungen in extremer Weise zahlreich auf. Demgegenüber sind die -rode bis Mitte des 11. Jahrhunderts eindeutig unterrepräsentiert mit einem Minimum im ausgehenden achten Jahrhundert.

Ersterwähnung von Namen auf -rode bis zum Jahr 1200

8. Jh9. Jh10. Jh11. Jh12. Jh
Anzahl2552069
Wahrscheinlichkeit
des Auftretens (Z-Wert)
-4-2-1,204,3
BACH macht folgende Angabe zur Zeitsstellung:
Im allgemeinen ist das 10./14.Jh. die Zeit der Gründung der -rode-Orte, bes. aber das 12./13. Jh. (DNK Bd.2, §616.2.b)

GOCKEL schreibt dazu:
Die ersten [....] begegnen in Hessen bereits in der ersten Hälfte des 9. Jhs. (Benterode und Escherode im Kaufunger Wald), gehören in der Mehrzahl allerdings erst ins 10. bis 12. Jh. (1984a, S.188)

{1} "Die Namen auf -rod, -reut, -ried usw. sind in ihrer überwiegenden Mehrzahl mit einem PN im BW gebildet. Die Dative -rode, -rade treten in der Regel landschaftlich geschieden auf. Das Wort erscheint in ON nicht selten im Dat.plur [...]" (DNK Bd.2, §615.1.b). (zurück zum Text)

{2} Die -rod-Namen "lassen [...] die für spätgegründete Orte bezeichnende ungünstige Lage erkennen" (DNK Bd.2, §616.2.a). Zur Verbreitung der -rode in der Pfalz vgl. Christmann (Die Siedlungsnamen der Pfalz Teil III, §44-46). Zu -rode im Kreis Gunzenhausen vgl. HONBBay (Bd.5, S.123f). (zurück zum Text)