Siedlungen auf begrenztem Raum

Unter den Siedlungsnamen des Untersuchungsgebietes machen die -hagen-Orte eine kleine Gruppe aus. Nur 24 von ihnen treten bis 1200 auf. Das Grundwort ist ahd. hagan, mhd. hagen 'Dornstrauch, Umgrenzung, umgrenzte Gemarkung oder Siedlung' (DNK Bd.2, §618.1; GöSCHEL 1964, S.65; REICHARDT 1973, S.29f).

Das mittelalterliche Hagenrecht ist mit den -hagen-Namen in Verbindung zu bringen, wenn auch weder jeder Ort mit einem solchen Namen dem Hagenrecht unterlag, noch sämtlich Orte mit anderen Namen nicht dem Hagenrecht unterlagen (DNK Bd.2, §618.3; METZ 1954; KROESCHELL 1954 und 1956; ENGEL 1956).

ENGEL stellte dazu fest:

Die älteste Erwähnung des Hagenrechtes nach Ausscheiden der Urkunde über Landwehrhagen [Auf welche der von ihm kritisierte KROESCHELL aufgebaut hatte. d.Verf.] datiert aus der Zeit um 1200 .. Für alle früher erwähnten Hagen- oder indago-Bezeichnungen lät sich ein Rechtsinhalt nicht erweisen. (S.257)

Als Bestimmungsglieder dienen vorwiegend (13 Namen) männliche Personennamen (vgl. DNK Bd.2, §618.1), jeweils fünf Orte haben ein Appellativ (Flußname der Haune{1}, Eiche, neu, Streit und Vogt) im Bestimmungsglied oder treten als Simplicia auf. Die Simplicia gelten gemeinhin als die ältesten Vertreter des Typs, gefolgt von den Zusammensetzungen mit Appellativen. Das vorliegende Material scheint eine solche Differenzierung nicht herzugeben. Das insgesamt späte Erscheinen des Typs ist übrigens auch ein Grund, die Deutung von Hünhan als -hagen-Name mit Vorsicht vorzuschlagen.

Die landschaftliche Staffelung des Namentyps (Karge s.o.) weist signifikante Massierungen in der Oberhessischen Schwelle, dem Hohen Vogelsberg und dem Vortaunus auf. Alle weiteren Vorkommen sind recht sporadischer Natur.

Ersterwähnung von Namen auf -hagen bis zum Jahr 1200

8. Jh9. Jh10. Jh11. Jh12. Jh
Anzahl020517
Wahrscheinlichkeit

des Auftretens (Z-Wert)

-2,1-0,4-1,40,12,3

Die Analyse der Erstbelegdaten erweist die -hagen-Orte als ziemlich junge Gründungen. Gegenüber einem auffälligen Fehlen zu Beginn der Überlieferung im achten Jahrhundert häufen sich die Belege erst Ende des elften Jahrhunderts um schließlich im zwölften Jahrhundert ihre Produktivität zu entfalten. BACH weist sie demselben Zeitraum zu, ihre besondere Produktivität liege erst im 13. Jahrhundert. Sie seien insgesamt jünger als die -rode (DNK Bd.2, §618.3; vgl. GOCKEL 1984a, S.118)


{1} Der Flußname ist hier aus heuristischen Gründen unter den Appellativen eingereiht. (zurück zum Text)