Schutz und Geborgenheit

'Befestigte Höhe, Burg, Stadt' ist die Bedeutung des Namengrundwortes -burg (DNK Bd.2, §374). Die Namen auf -burg lassen sich allerdings nicht in allen Fällen von jenen auf -berg trennen. BACH vermutete, daß die Bedeutungen im Mittelalter nicht sehr scharf voneinander unterschieden worden sind, was REICHARDT offenbar dazu veranlaßte, die beiden Wörter als Varianten eines Typs anzusehen{1}. In der vorliegenden Arbeit ist dennoch der Versuch unternommen worden, eine Gruppe von Kulturnamen auf -burg von einer solchen von Naturnamen auf -berg{2} zu unterscheiden.

Grund dafür war, daß von den insgesamt 89 Namen auf -burg/-berg in den Belegen bis zum Jahre 1200 immerhin 31 klar als -burg sowie 53 als -berg geschrieben worden sind. In insgesamt fünf Fällen{3} konnten vereinzelte Schreibungen mit dem jeweils anderen Grundwort aus der Überlieferungslage heraus als verfehlt erkannt werden. Sie stammten in der Regel aus späteren Kopien oder Fälschungen. Diese fünf Orte wurden, ohne in der statistischen Analyse mitgezählt zu werden, am Ende der Namenliste für die -burg angefügt. Lediglich fünf Siedlungsnamen waren von der Beleglage her nicht eindeutig als -burg oder -berg anzusprechen. Da sich diese unsicheren Belege durch das Ablautverhältnis (DNK Bd.2, §374) beider Wörter beinahe zwangsläufig ergeben müssen, scheint die Gleichsetzung von -burg und -berg, wie sie auch BACH (DNK Bd.2, §518) stellenweise vornimmt, nicht den Tatsachen gerecht zu werden.

Außer mit -berg wechselt -burg im Untersuchungsmaterial noch mit -bach{4}. In einem Fall{5} ist ein -burg-Name in späterer Zeit durch einen anderen Namen auf -fels ersetzt worden.

Was Burg und Berg unterscheidet

SCHLESINGER (1963, S.438) hat dargelegt, daß vom 8. bis zum 12. Jahrhundert -burg in erster Linie die Bedeutung 'Stadt, civitas' gehabt haben dürfte. Im 12. Jahrhundert bekommt das Wort mhd. stat 'Stelle, Ort' die Bedeutung 'civitas' (DNK Bd.2, §514) und löst damit wohl Burg in dieser Funktion ab.

Sieht man diese Entwicklung in Zusammenhang damit, daß insbesondere seit dem Hochmittelalter die Belege für -burg und -berg sich zunehmend untereinander vermischen, so könnte dies eine Folge der Ablösung von Burg durch Stadt in der Bedeutung 'civitas' darstellen.

Mehrfach{6} ist der Zusammenhang von -burg und -berg mit den Burgennamen thematisiert worden. Eine nähere Untersuchung anhand des vorliegenden Materials muß hier jedoch entfallen, da es hierbei nicht zuletzt auf die Realprobe (CHRISTMANN, Die Siedlungsnamen der Pfalz Teil 3, §77) ankommt. Diese ist aufgrund der Gröe des Untersuchungsgebietes hier nicht zu leisten.

Sieben Bestimmungswörter unklar

Als Bestimmungswörter erscheinen zumeist Appellative (16), nicht ganz selten auch Personennamen (7), die nach BACH (DNK Bd.2, §346) auf grundherrliche Siedlungstätigkeit verweisen. Relativ hoch ist in dieser Gruppe mit 7 Siedlungsnamen{7} der Anteil von fraglichen Bestimmungsgliedern. Dies hat weniger seinen Grund darin, daß eine sprachliche Deutung nicht möglich ist{8}, als darin, daß aufgrund der methodischen Vorgaben dieser Untersuchung zwischen einem Adjektiv und einem Personennamen nicht zu trennen ist{9}.

Dreimal ist ahd. niuwi als Bestimmungsglied belegt. Nicht weniger als fünf Namen dieses Typs führen im Bestimmungsglied einen Flußnamen. Offenbar war die Orientierung der -burg-Namen an Gewässern von nicht geringer Bedeutung für die Namensgeber.

Ersterwähnung von Namen auf -burg bis zum Jahr 1200

 8. Jh9. Jh10. Jh11. Jh12. Jh
Anzahl 6 3 2 4 14
Wahrscheinlichkeit
des Auftretens (Z-Wert)
0,1 -0,3 -0,3 -0,9 0,3

Im Untersuchungszeitraum sind die -burg-Orte ohne jede statistische Auffälligkeit. Weder fehlen sie unerwartet oft, noch haben sie eine erkennbare Produktivität. Es ergibt demnach keinen Sinn, die Gruppe in ein zeitliches Schema einzugliedern{10}. Auch die geographische Verbreitung der -burg Namen glänzt durch Gleichförmigkeit (Karte Nr.9). Nur das Habichtswälder Bergland zeigt eine signifikant erhöhte Ausstattung mit Namen dieses Typs. Eine zweite Signifikanz im Weilburger Lahntal (1 von 7 Namen) sollte nicht überbewertet werden{11}.


{1} ".. da 'Berg' und 'Burg' trotz gemeingerm. Scheidung durch Ablaut und Genus im Ahd. und Mhd. offenbar bedeutungsmäßig nicht so streng unterschieden wurden, daß sie nicht in der Überlieferung ein und desselben Namens wechseln konnten" (Reichardt 1973, S.41). (zurück zum Text)

{2} Vgl. Kapitel B.2.4. dieser Arbeit. (zurück zum Text)

{3} Es handelt sich um die -burg-Namen Amöneburg, Glauberg und Schaumburg sowie die -berg-Namen Gudensberg und Gleiberg. (zurück zum Text)

{4} Michelbach und der -bach-Name Schönbach. (zurück zum Text)

{5} Lindenfels (zurück zum Text)

{6} vgl. etwa DNK (Bd.2, §518); Rosenfeld (1958a, S.25); Christmann (Die Siedlungsnamen der Pfalz Teil 3, S.91ff). (zurück zum Text)

{7} Alteburg, Altenburg, +Altenberg, ?Eistingenburc, +Fugelesburc, +Rodenburg und Seulberg. (zurück zum Text)

{8} Seulberg, ?Eistingenburc. (zurück zum Text)

{9} ahd.mhd.nhd. alt vs. PN Aldo; ahd. fogal vs. PN Fugal; ahd.mhd. rot vs. PN Roto. (zurück zum Text)

{10} Der Typ ist bereits in vorfränkischer Zeit üblich (DNK Bd.2, §§470, 484), wird lange verwendet und ist nach Bach (DNK Bd.2, §§470, 484) kein Kriterium für Altersbestimmungen. Christmann (Die Siedlungsnamen der Pfalz Teil 3, §53) erklärt, der "Burgenbau beginnt im 10. Jahrhundert". Er unterscheidet -burg und -berg daran, ob eine Burg vorhanden ist oder nicht. Ebenda (§78) bescheinigt er den -berg Zeitlosigkeit. Vgl.: HONBBay (Bd.6, S.131f). (zurück zum Text)

{11} Vgl. Kapitel A.5.1. dieser Arbeit zu den Grenzen der statistischen Aussagekraft. (zurück zum Text)