Junge Namen auf -brunnen

Die Stellenbezeichnungen auf das Grundwort ahd. brunno, mhd. brun(ne) in der Bedeutung 'Quelle, Brunnen' (REICHARDT 1973, S.37){7}} treten auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen bis a.1200 in 27 Fällen auf. Das Zweitglied wechselt nicht mit anderen Wörtern, die später vom Niederdeutschen über das Hessische weit nach Süden ausgreifende r-Metathese (brunnen > born) ist vor a. 1200 nur dreimal belegt. Nach BACH (DNK Bd.2, §464) verdrängt - born älteres -mar.

In der Regel ist das Bestimmungswort dieser Namengruppe ein Appellativ (18 Namen), nach a.1000 kommen gelegentlich Personennamen (7 Belege) vor. Einmal (Schloßborn) ist -brunnen als Simplex zum Siedlungsnamen geworden. Viele Bestimmungsglieder weisen auf Tiere (Amsel, Fisch, Fohlen, Habicht, Pferd, Reh) hin, andere auf die natürliche Umgebung (Esche, Linde).

Die landschaftliche Staffelung (Karte) der -brunnen-Namen weist statistisch signifikante Häufungen im Vorderen Vogelsberg und im Amöneburger Becken auf.

Nach Ausweis der Analyse der Erstbelegdaten stellen sich die - brunnen-Namen als eine recht junge Gruppe dar{8}}. Bis a.1000 sind die Erwähnungen spärlich, besondere Produktivität weist das 11. Jahrhundert auf{9}}.

Ersterwähnung von Namen auf -brunnen bis zum Jahr 1200

8. Jh9. Jh10. Jh11. Jh12. Jh
Anzahl4021110
Wahrscheinlichkeit

des Auftretens (Z-Wert)

-0,5-1,8-0,12,5-0,3

{7} Nach DNK (Bd.2, §297) steht -born, -brunn auch für -bach in den Namen kleinerer Bäche. Vgl. Gockel (1984a, S.187).(zurück zum Text)

{8} "[..] seit dem 8. Jahrhundert als ON-GW [..]" (HONBBay Bd.6, S.140); " [...] Entstehung erst nach 900 generell möglich" (HONBBay Bd.5, S.126).(zurück zum Text)

{9} Christmann (Die Siedlungsnamen der Pfalz T.3, S.123) berichtet von frühen SN auf -born/-brunn im 6. Jahrhundert. Die meisten dieser Bildungen setzt er jedoch in die Zeit vom 9. bis 12. Jh.(zurück zum Text)