Berge und Heiligtümer

Stellenbezeichnungen mit dem Grundwort ahd. berg, mhd. berc 'Berg' (KLUGE, S.66) sind bis zum Jahre 1200 im Untersuchungsgebiet in 53 Fällen belegt{1}}.

Abweichnungen des Grundwortes sind außer den beschriebenen noch drei Mal zu beobachten. So taucht -berg als Verschreibung für einen -bach Namen (Schorbach) {2}} auf, im Namen von Michelbach wird -berg nach 1200 durch -bach ersetzt. Schließlich ist noch eine übersetzte Form zu nennen, in der -berg sich offenbar aus lat. mons herleitet{3}}.

Als Bestimmungsglieder werden in den -berg-Namen hauptsächlich Apellative verwandt (30), doch auch Personennamen (vgl. ROSENFELD 1958a, S.24f) sind nicht selten (14). Erstaunlich oft verweisen die Namen sowohl auf den christlichen wie auf den heidnischen Sakralbereich. So kommt Wotan{4}} vor, zweimal ahd. biscof 'Bischof', zweimal ahd. heilag 'heilig' (oder der Personenname Heligo), ebenfalls je zweimal ahd. kirihha 'Kirche'und ahd.kruzi 'Kreuz'. Doppelt belegt sind auch ahd. hôh 'hoch' und ahd. skôni 'schön'.

Die -berg-Namen im Untersuchungsgebiet (Karte) weisen statistisch signifikante Vorkommen im Habichtswälder Bergland und in der Westhessischen Senke sowie in der Idsteiner Senke auf. Letzteres ist allerdings aufgrund der geringen Belegzahl (5) in diesem Gebiet von untergeordneter Bedeutung{5}}.

Anders sieht das Ergebnis der statistischen Analyse der Erstbelegzeiten aus: Die -berg-Namen sind offenbar ein eher junger Typ (vgl. DNK Bd.2, §§466.8 u. 471). Sie treten erst im 12. Jahrhundert signifikant häufig auf, während die Belege insbesondere im achten Jahrhundert äußerst gering sind. Die personalen -berg-Namen stellen dabei ebensowenig einen gesonderten Frühtyp dar wie die Simplicia{6}}.

Ersterwähnung von Namen auf -berg bis zum Jahr 1200

8. Jh9. Jh10. Jh11. Jh12. Jh
Anzahl2221233
Wahrscheinlichkeit

des Auftretens (Z-Wert)

-2,6-1,6-1,10,52,4

{1} Zur Unterscheidung zwischen Namen auf -burg und -berg s.Namen auf -burg (zurück zum Text)

{2} Namen auf -bach (zurück zum Text)

{3} Frauenberg. Früher: "mons episcopi" und "Biscofesberc". (zurück zum Text)

{4} Gudensberg. Vgl. DNK Bd.2, §358. (zurück zum Text)

{5} vgl. Kapitel A.5.1. zu den Grenzen der statistischen Aussagekraft.(zurück zum Text)

{6} Christmann (Die Siedlungsnamen der Pfalz T.3, §78) sieht in seinem Untersuchungsgebiet keine Möglichkeit, die -berg einer bestimmten Zeit zuzuweisen. Schuh findet jedoch, daß "-berg doch als typisch für Orte in nicht sehr siedlungsgünstiger Lage gelten" (HONBBay Bd.5, S.129) dürfe. Fuchshuber (HONBBay Bd.5, S.131f) erklärt, -berg sei als Simplex landnahmezeitlich, als Kompositum jedoch jünger. Zum Grundwort von Burgennamen (vgl. Namen auf -burg) sei es erst im ausgehenden Landesausbau geworden.(zurück zum Text)