Wo die Ache munter plätschert

Die Siedlungsnamen auf -aha sind Stellenbezeichnungen. Ihr Grundwort ahd. aha, mhd. ahe < germ. *ahwô bedeutet 'fließendes Wasser' (FÖ ON I,Sp.34ff; DNK Bd.2, §188; KLUGE, S.1; REICHARDT1973, S.56). Es ist urverwandt mit lat. aqua und "wurde in dt. Zeit immer mehr als Ableitungssilbe empfunden, obwohl das Wort bis auf den heutigen Tag auch  selbständig auftritt, [..]" (DNKBd.2, §188).{1}

Die Belege weisen häufig Schreibungen wie "ahe, ehe" auf. Unter den insgesamt 64 Vertretern dieses Typs im Untersuchungsmaterial findet sich zweimal ein Wechsel mit dem Grundwort -apa (Oberjossa, Netz), einmal scheint -aha gleichzeitig mit -bach im Gebrauch gewesen zu sein (Grüsselbach). Einmal dürfte -aha sekundär entstanden sein (Allna). In zwei Namen könnte -aha ursprüngliches -apa verdeutlicht haben (Bad Orb, Ulfen). BACH führt an, daß -aha in ahd. Zeit gelegentlich zur Verdeutlichung unverständlich gewordener Gewässernamen verwendet wurde (DNKBd.2,§190.3).

Die Stellenbezeichnungen auf -aha treten meist (in 56 von 64Fällen) mit Appellativen als Bestimmungswörtern{{2}} auf. Darunter fallen in besonderer Häufung stein (7 Mal), bibar (4 Mal), hasal, rot und salz/sulza (je zweimal) auf. BACH schreibt dazu, die BW gingen fast alle von der Natur aus, bezögen sich "nur vereinzelt auf das Treiben von Menschen [...] ;[..] PN spielen als BW in ihnen noch keine Rolle" (DNK Bd.2, §464).

Henning KAUFMANN (1977b) hat sich bemüht, die Existenz von Personennamen im Bestimmungsglied von -aha Namen zu erweisen. Wenn er auch gelegentlich über sein Ziel hinausschießt, treffen einige seiner Deutungen wohl doch den Kern. Im vorliegenden Material stellen die Personennamen *Urzilo, Gunzo und Uzo Bestimmungsglieder dar. In weiteren vier Namen bleiben PN nicht mehr als eine (theoretische) Möglichkeit der Deutung.

Eine "sehr alte Namenschicht"

Wenden wir uns nun den Erstbelegzeiten der -aha Namen zu. DerTyp ist vom Beginn der Überlieferung im achten Jahrhundert bis zum Jahr 1200 vertreten. Besonders häufig (im Sinne von statistisch signifikant) sind sie in keinem Jahrhundert. Signifikant selten sind die Ersterwähnungen dieses Typs imzwölften Jahrhundert. BACH erkennt in den -aha-Namen eine sehr alte Schicht:

Die Blütezeit von -aha, die etwa um Christi Geburt eingesetzt haben mag, war nach der Völkerwanderungszeit wohl zu Ende. -aha darf als gemeinerem. gelten. (DNKBd.2, §464)

FUCHSHUBER schreibt: ".. können .. sogar älter sein als solche auf-heim. Meist aber sind sie gleich alt oder auch jünger" (HONB Bay Bd.6, S.131).

SCHUH ist mit den Alterszuweisungen vorsichtiger:

Sie zählen zu der ältesten Namenschicht innerhalb unseres Untersuchungsgebiets. Die älteste Schicht der -aha-Namenwiederum sind die sog. 'einfach gebildeten', deren Bestimmungswörter auf den alten Tierbestand, auf die Pflanzenwelt am Ufer, auf die Farbe des Wassers, auf die Art des Untergrundes von Flußbett und Ufer hinweisen. Sie können allerdings von der Zeit der ersten elbgermanischen Landnahme bis in das 9./10. Jahrhundert gegeben worden  sein. (HONB Bay Bd.5, S.67)

Er macht darauf aufmerksam, daß zwischen den zugrundeliegenden Flußnamen und den z.T. deutlich späteren Siedlungsnamen auf -aha zu unterscheiden ist (HONB Bay Bd.5, S.124f). Es seien keine "primären Siedlungsnamen".

Ersterwähnung von Namen auf -aha bis zum Jahr 1200

 8. Jh9. Jh10. Jh11. Jh12. Jh
Anzahl 15 12 9 14 14
Wahrscheinlichkeit

des Auftretens (Z-Wert)

0,9 1,8 1,7 0,4 -2,4

Die räumliche Staffelung der -aha-Namen (Karte s.o.) zeigt eine klare Vorliebe für höhergelegene Waldgebiete. Sandsteinspessart, Unterer Vogelsberg und das Fulda-Haune-Tafelland sind neben dem Dilltal sowie der Vorder- und Kuppenrhön bevorzugte und statistisch signifikante Standorte.

In Beziehung zur Gliederung der Erstbelege lassen sich die - aha-Namen somit als recht frühe Schicht ansprechen.


{1} Vgl. auch Boesch (1981b, S.502f); Chrann: Die Siedlungsnamen der Pfalz Teil 1, §69; Gockel (1984a, S.186f).(zurück zum Text)

{2} "PN als BW treten in der Regel nicht auf [..]" (DNK Bd.2,§189.3).(zurück zum Text)