4.3. Die Grundkarte

Für die Beschreibung namengeographischer Strukturen im Siedlungsnamenschatz auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen von 700 bis 1200 n.Chr. war eine geeignete Grundkarte (Nr.1) erforderlich. Sie sollte sämtlichen Siedlungsnamen des Untersuchungskorpus einen Ortspunkt zuweisen. Davon mußten natürlich jene Namen ausgeschlossen werden, die zwar sicher innerhalb des Untersuchungsgebietes liegen, aber bisher keine, auch nur ungefähre, Lokalisierung seitens der Geschichtswissenschaft gefunden haben. Es handelt sich dabei um 140 Belegorte, was 7,2 Prozent des Untersuchungsmaterials ausmacht.

Als Kartengrundlage bot sich die Grundkarte des Deutschen Wortatlas an, deren systematische Signaturen sowohl die Kartenbearbeitung wie die Kartenbetrachtung wesentlich erleichtern. Außerdem ermöglicht sie einen direkten Vergleich mit den Dialektkarten von Wortatlas und Deutschem Sprachatlas.

Für die Erfordernisse der Untersuchung mußte die Kartengrundlage allerdings zum Teil verändert werden. So konnten nur die Ortspunkte der bis zum Jahr 1200 belegten Siedlungen übernommen werden. Damit gewann die Karte andererseits Raum für jene Orte, die zwar in den Urkunden erwähnt sind, jedoch heute nicht mehr existieren - die Wüstungen. Im Gegensatz zu den heute noch bestehenden Siedlungen, die entweder ihre Nummern-Signatur aus Wortatlas und Sprachatlas behielten oder - wenn sie dort nicht enthalten waren - weitere Nummern bekamen, wurden die Wüstungen auf der Karte mit Kleinbuchstaben-Signaturen ausgezeichnet. Da die Lage der Wüstungen oft und bei dem vorliegenden Maßstab ohnehin nur ungefähr, relativ zu einem Ortspunkt, bestimmbar ist, unterscheiden die Signaturen auch genaue (heutiger Ort mit Zahl) von ungefähren (Wüstungen mit Kleinbuchstaben) Ortspunkten.


{9} Für Rat und Hilfe bei der Deutung der Belege bin ich Prof. Dr. Hans Ramge zu Dank verpflichtet.

{10} vgl. Kapitel B 3. dieser Arbeit.