4. Methoden der Untersuchung

4.1. Auswahl der Belege

Die vorliegende Untersuchung beruht auf den Siedlungsnamen, die bis zum Jahr 1200 auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen in Urkunden belegt sind. Diese Namen stammen aus der Kartei zur Neubearbeitung des Altdeutschen Namenbuches. Es ist der auf Hessen entfallende Teil.

Während empirische Arbeiten zur Namenkunde bisher auf veröffentlichte und zum Teil veraltete Namensammlungen zurückgreifen mußten - wenn nicht die historischen Belege in zeitraubender Arbeit aus den edierten und unedierten Quellen ausgezogen wurden - konnte die vorliegende Untersuchung auf die von vielen Arbeitsstellen im deutschsprachigen Raum geleisteten Vorarbeiten aufbauen. Ohne diese Grundlage wäre ein solches Unternehmen nicht zu bewältigen gewesen.

Das Ausgangsmaterial der Untersuchung ist daher im Rahmen der gegenwärtigen Möglichkeiten ein vollständiges Verzeichnis der Siedlungsnamen, die bis 1200 von den Quellen erwähnt werden. Für den Zweck der Arbeit mußte indes das Material aus der Kartei des Altdeutschen Namenbuches auf die Siedlungsnamen selbst beschränkt werden. Die Stellenbezeichnungen, Flur- und Flußnamen wurden ausgesondert, weil sie für die typologische Betrachtung nicht erforderlich sind.

Relevante Schreibungen

Allerdings machen die ausgesonderten Namen nur einen recht bescheidenen Anteil aus, da die weitaus überwiegende Zahl der in diesem Fundus dokumentierten Namen Siedlungen bezeichnet. Auch von diesen mußten einige von der Untersuchung ausgenommen werden, da sie nicht sicher im Gebiet des Bundeslandes Hessen lokalisiert werden konnten oder weder als Siedlungs- noch als Flurname zweifelsfrei zu erkennen waren. Selbst wenn diese wenigen Namen doch zum Korpus hätten gezählt werden müssen, ist aufgrund der Geringfügigkeit anzunehmen, daß sich ihr Fehlen nicht verzerrend auf das Untersuchungsergebnis auswirkt. Insgesamt enthält das Korpus nach diesem Auswahlverfahren 1906 Siedlungsnamen, wobei differenzierte Namen in der Regel als ein Siedlungsname gezählt wurden.

Das Untersuchungsmaterial aus den Belegen für den Neuen Förstemann sollte komplett dargeboten werden. Natürlich konnte es dabei ebensowenig wie im geplanten Altdeutschen Namenbuch um eine vollständige Auflistung sämtlicher Belege aus den Urkunden gehen. Andererseits sollten alle für die sprachliche Deutung der Namen relevanten Schreibungen erfaßt sein. Aus diesem Grunde folgen in den Namenartikeln ausschließlich jene Belege auf die Ersterwähnung eines Siedlungsnamens, die sich soweit von dieser unterscheiden, daß die Deutung eine Änderung erfahren könnte. Im Zweifel wurde eher ein Beleg zuviel als einer zuwenig wiedergegeben.


{9} Für Rat und Hilfe bei der Deutung der Belege bin ich Prof. Dr. Hans Ramge zu Dank verpflichtet.

{10} vgl. Kapitel B 3. dieser Arbeit.