3. Die Quellen

Grundlage der vorliegenden Untersuchung sind die im Rahmen des Projekts für den Neuen Förstemann gesammelten Siedlungsnamen, soweit sie auf dem Gebiet des heutigen Landes Hessen lokalisiert sind. Dies ist auch der Grund dafür, daß die Belege mit dem Jahr 1200 aufhören. Die Zentralstelle für die Förstemann-Neubearbeitung in Freiburg und Prof. Dr. Hans RAMGE in Gießen, ermöglichten es mir, die komplette Sammlung von Belegen auzuwerten. 

Diese Sammlung war noch nicht für den vorgesehenen Druck eingerichtet worden und bestand aus sämtlichen Zetteln für das Arbeitsgebiet Hessen. Diese wiederum stammten nicht allein aus der Arbeitsstelle in Marburg{5}, sondern auch zu einem beachtlichen Teil aus jener in Göttingen{6}. Außerdem befanden sich im Ausgangsmaterial noch eine Reihe von Exzerpten, die in anderen Arbeitsstellen für die Neubearbeitung des Altdeutschen Namenbuches angefertigt worden waren. All diese Belege waren in der Zentralstelle in Freiburg zusammengekommen und bildeten die Basis für die geplante Herausgabe des Neuen Förstemann. Trotz der vielfältigen und unermüdlichen Hilfe, die mir in der Zentralstelle vor allem durch Dr. Roswitha SEIDELMANN und Dr. Reinhold MöLLER zuteil wurde, ist nicht auszuschließen, daß gelegentlich ein Beleg an der falschen Stelle eingeordnet worden ist. 

Zum Stand der Quellenkritik

Auch die Bearbeiter des Altdeutschen Namenbuches wußten, daß die Fülle des von vielen Mitarbeitern an vielen Orten exzerpierten Materials keine hundertprozentige Exaktheit zuließ. Das geht jedenfalls aus dem Manuskript zum Vorwort des Neuen Förstemann hervor{7}. 

Diese Ausgangslage hat in bezug auf das Material einige Voraussetzungen und Beschränkungen zur Folge. Dazu gehört, daß aus den genannten Gründen das Namenmaterial keineswegs nach in allen Fällen gleichen Kriterien und Maßstäben gesammelt und verzettelt worden ist. Daher sind, insbesondere was den heutigen Stand der Quellenkritik und Quellenedition angeht, Lücken und Fehler zu erwarten. Soweit das mit den beschränkten Mitteln eines Germanisten und der Korrekturhilfe durch Dr. Michael GOCKEL (Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, Marburg) möglich war, sind Quellenangaben und Belegschreibungen allerdings überprüft worden. 

Der Quellenkritik konnte aufgrund dieser Ausgangslage nicht die wünschenswerte Intensität gewidmet werden{8}. Allerdings ging es im Rahmen dieser Arbeit auch in erster Linie um die statistisch relevanten Aspekte der Siedlungsnamentypisierung. Die gewonnenen Ergebnisse dürften unter diesem Gesichtspunkt die Tendenzen in der Altersschichtung und Verbreitung der typischen Siedlungsnamen korrekt wiedergeben, ohne im Einzelfall immer dem neuesten Stand der Quellenkritik gerecht werden zu können. 

Gerade unter dem notwendigerweise verengten Blickwinkel der statistisch-typologischen Untersuchung war die Fülle und relative Vollständigkeit der Sammlungen für das Altdeutsche Namenbuch eine unumgängliche Grundvoraussetzung. Statt, wie das in der früheren typologischen Forschung üblich war, einen einzelnen Namentyp in den Blick zu nehmen und seine Verbreitung aufzudecken, konnte hier eine aus mehreren historischen und landschaftlichen Teilstücken bestehende Namenlandschaft untersucht werden. 


{5} Für die Sammlung der hessischen Belege war bis 1975 eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Prof.Dr.Walter Heinemeyer am Institut für mittelalterliche Geschichte, Abteilung Historische Hilfswissenschaften, zuständig.

{6} Bis 1969 unter Leitung von Prof. Dr. Heinrich Wesche im Institut für historische Landesforschung der Universität Göttingen. Zuständig für die Belege für Niedersachsen.

{7} Unveröffentlichtes Manuskript des Vorwortes zum Altdeutschen Namenbuch [Freiburg 1979]. Redaktionskomitee: Bruno Boesch, Reinhold Möller, Gisela v.Preradovic, Karl Puchner und Rudolf Schützeichel.

{8} vgl. zum Problemkreis Schützeichel (1962).